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»Seid Patrone ihr gegrüsset! – Denkt an mich, der Sünden büsset!«

Year: 2026
Type: book-chapter
Abstract: Der mittelalterliche Reliquienschrein in der Stiftskirche St. Mariae Himmelfahrt in Kleve war weit mehr als nur ein Behälter für Reliquien. In seiner ursprünglichen Gestalt bildete er zusammen mit seinem mikroarchitektonischen Rahmen, den Skulpturen, den flankierenden Wandmalereien, den Inschriften und den heute verlorenen Edelmetallarbeiten ein komplexes Ensemble, in dem Vorstellungen von Erlösung, Gedenkpraxis und dynastischer Repräsentation eng miteinander verflochten waren. Die auf beiden Seiten dargestellten Grafen und Herzöge von Kleve wenden sich betend der Nische zu; ihre Schriftrollen und die darüber liegenden Inschriften zeigen, dass die dort aufbewahrten Reliquien den Mittelpunkt eines dichten Beziehungsgeflechts bildeten. Dieses Netz umfasste nicht nur die Fürsprache der Heiligen und die Hoffnung auf Erlösung, sondern auch die bewusste Einbindung der Reliquien in den dynastischen Grabraum im Chor der Kirche. Der Reliquien-Tabernakel erweist sich somit als intermedialer und intermaterialer Raum der Erlösung, dessen Wirkung vom Zusammenspiel verschiedener visueller und materieller Formen abhing. Gleichzeitig offenbart er eine charakteristische Spannung zwischen Sichtbarkeit und Verborgenheit: Hinter durchbrochenen Gittern geschützt, waren die Reliquien gesichert, aber nicht vollständig verborgen. Gerade diese kontrollierte Präsenz verstärkte sowohl ihre Wahrnehmbarkeit als auch ihre devotionale Wirksamkeit. Selbst in seinem fragmentarischen Zustand vermittelt der Klever Reliquien-Tabernakel noch immer die bemerkenswerte Dichte eines spätmittelalterlichen sakralen Ensembles.
Language: German
Subfield: Archeology
Open Access status: hybrid
OpenAlex ID: W7207572527
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Cites: 1
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