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Sicher Einziehen in die stationäre Pflege: Eine qualitative Studie zu Sturzrisiko und Prävention beim Einzug neuer Bewohner/-innen

Year: 2026
Type: dissertation
Abstract: Hintergrund: Bewohner/-innen stationärer Pflegeeinrichtungen weisen ein hohes Sturzrisiko auf, das in der Übergangsphase des Heimeinzugs zusätzlich ansteigen kann Es bestehen jedoch nur begrenzte Kenntnisse zu einzugsspezifischen Sturzrisiken, Präventionsmaßnahmen und kontextuellen Einflussfaktoren bei neu eingezogenen Bewohner/-innen. Zielsetzung: Die Dissertation untersucht das Sturzrisiko und die Prävention bei neu eingezogenen Bewohner/-innen im Kontext des Heimeinzugs. Im Fokus stehen einzugsspezifische Sturzrisiken sowie das Vorgehen und die Maßnahmen der Sturzprävention beim Heimeinzug. Darüber hinaus werden die kontextuelle Rahmenbedingungen betrachtet, die die Umsetzung der Sturzprävention in dieser Phase erschweren. Die Erkenntnisse sollen dazu beitragen, das Verständnis des Sturzgeschehens bei neuen Bewohner/-innen zu vertiefen und Ansatzpunkte für eine kontextorientierte Sturzprävention beim Heimeinzug zu liefern. Methode: Basierend auf einem qualitativen Forschungsdesign wurden 15 semi-strukturierte, leitfadengestützten Expert/-innen-Interviews mit Führungskräften stationärer Pflegeeinrichtungen geführt, um deren Fach-, Erfahrungs- und Deutungswissen zu erfassen. Die Auswertung erfolgte mittels inhaltlich-strukturierender qualitativer Inhaltsanalyse nach Kuckartz. Zur Sicherung der Ergebnisinterpretation und Ableitung von praxisrelevanten Informationen wurden die Erkenntnisse im Rahmen einer Fokusgruppe diskutiert, reflektiert und weiterentwickelt. Ergebnisse: Die Studie zeigt, dass der Heimeinzug eine besonders vulnerable Übergangsphase mit einem vorübergehend erhöhtem Sturzrisiko darstellen kann. Eine Überlagerung mehrerer Faktoren kann zu diesem erhöhten Risiko beitragen: vorbestehende gesundheitliche Einschränkungen und erhöhte psychische Belastungen treffen auf die Herausforderungen räumlicher und sozialer Eingewöhnung. Bewohner/-innen erleben in dieser Phase eine mehrdimensionale Unsicherheit, die in der Regel mit zunehmender Eingewöhnung wieder abnimmt. Stürze können dabei als Ausdruck einer temporär fragilen Passung zwischen Person, Umgebung und Unterstützungssystem verstanden werden, in der Sicherheit – als räumliche, soziale, emotionale und funktionale Verlässlichkeit – noch nicht hergestellt ist. Die befragten Führungskräfte stationärer Pflegeeinrichtungen beschreiben Sturzprävention in der Übergangsphase vor allem als beziehungsgeleiteten Prozess, der zunächst durch risikominimierende und sicherheitsorientierte Maßnahmen geprägt ist und mit fortschreitender Eingewöhnung in aktivierende, ressourcenstärkende Ansätze übergeht. Gleichzeitig können strukturelle Barrieren, die bei neuen Bewohner/-innen vermehrt auftreten, wie zum Beispiel Versorgungsfragmentierung, Schnittstellenprobleme oder bewohner/-innenseitige Widerstände, die Umsetzung sturzpräventiver Maßnahmen erschweren. Diskussion: Die Befunde machen deutlich, dass der Heimeinzug als übergangsspezifischer Risikokontext verstanden werden sollte, in dem Sturzrisiken mehrdimensional und kontextabhängig sind und daher nicht allein durch klassische Risikofaktoren erfasst werden können. Mit dem entwickelten konzeptionellen Bezugsrahmen „Sicher Einziehen“ wird Sturzprävention als relationaler und ko-produzierter Prozess der Sicherheitsherstellung konzeptualisiert und damit eine Perspektive eröffnet, die Beziehungsgestaltung, Sicherheitskultur und strukturelle Bedingungen systematisch einbezieht. Das methodische Vorgehen ermöglicht differenzierte, praxisnahe Einsichten von Führungskräfte, bleibt jedoch auf diese beschränkt und ist ohne Anspruch auf statistische Repräsentativität zu verstehen. Fazit: Der Heimeinzug sollte in der stationären Sturzprävention als eigene Risikophase mit spezifischen, kontextsensiblen Präventionsstrategien berücksichtigt werden. „Sicher Einziehen“ bietet hierfür eine konzeptionelle Grundlage, um Sicherheit als gemeinsamen, relationalen Prozess im Übergang vom Ankommen zum Leben in der Pflegeeinrichtung zu gestalten. Zukünftige Forschung sollte weitere Akteur/-innen einbeziehen und die gewonnenen Einsichten quantitativ absichern.
Language: German
Open Access status: green
OpenAlex ID: W7216006997
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